Sandbach ( Eiger Nordwand)

Dies ist der erste Teil einer Beitragsreihe von Jakob Pavli zum Thema Canyoning in der Schweiz. Wenn Ihr die weiteren Beiträge nicht verpassen wollt abonniert unseren RSS-Feed

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Ein typischer Herbst ist die die perfekte Zeit um dort Canyoning zu gehen, wo es den Rest des Jahres zu viel Wasser hat. Dieses Jahr haben wir den Jackpot geknackt: strahlender Sonnenschein, Temperaturen nahe dem Gefrierpunkt (wodurch der Schnee vom Schmelzen abgehalten wurde) und eine Gruppe hervorragender Canyoningfreunde.

Das Rhino: bizarre Felsformation im Sandbach

 


Felsbrücke im Sandbach

 

Jakob beim Abseilen. Foto: Ziga Humar
Wir (Žiga und ich) starteten unser Abenteuer am 27.10.2016 wo wir den Rest des sechsköpfigen Teams in der Schweiz trafen.  Unser Ziel für den ersten Tag bestand in der Eiger Nordwand, die gewöhnlich eher unter Alpinisten als unter Canyonisten bekannt ist.  Ausrüstung geschultert und mit der Zahnradbahn nach oben. Das erspart allerdings nicht die weiteren zwei Stunden Aufstieg zu den Gletscherfeldern am Fuß der Wand.
Wir beschlossen den Einstieg in den Canyon so hoch wie möglich zu beginnen. Nur leider gibt es keinen Weg dorthin, so dass wir zunächst auf der „falschen“ (orographisch linken) Seite des Baches standen und einen neuen Ankerpunkt setzen mussten.
Einstieg zum Sandbach
Der Einstieg in den Canyon entpuppte sich als etwas nervig: abseilen in einen engen kalten Schlitz gegenüber einer Eiswand die sich bald als Dach über den Kopf stülpt. Die Tour beginnt mit zwei Abseilstellen von 20 und 30 Metern, aber es gibt nur sehr wenig Sonnenlicht, so dass wir unsere Stirnlampen benutzen mussten.
Der Wasserstand war niedrig und bereitete keine Probleme, aber die extreme Kälte sorgte dafür, dass es uns dennoch sehr lange vorkam bis jeder den Boden erreicht hatte.
Sandbach – unwirklicher Canyon unter dem Eis der Eiger Nordwand
Der Sandbach: eng und schön ausgeschliffen
Dieser erste Teil des Canyons erscheint unwirklich. Unter dem Eispanzer findet sich perfekt geformter dunkler und scharfkantiger Kalkstein. Die meiste Zeit verläuft der Bach in einem sehr engen Schlitz. Der Untergrund ist erstaunlich griffig (weil es zu kalt für Algenwachstum ist).An einigen Stellen lässt das Eisdach Sonnenstrahlen durch aufgeschmolzene Löcher hinunter zum Bachbett fallen.
Erst nach mehreren Stunden öffnet sich das blaue Dach vollständig und die irreale Situation weicht fantastischen Talblicken.
Übergang zum lichten zweiten Teil
Talblicke in die idyllische Landschaft
Auch dieser zweite Teil des Canyons ist sehr schön ausgeschliffen. Die Abseiler sind hier teilweise etwas höher (bis zu 50m), der größte Unterschied zum oberen Teil aber ist das Vorhandensein von Licht und die Möglichkeit Notausstiege zu machen und den Canyon zu verlassen zu können, falls nötig.
Hohe Abseiler
…und geschliffener Fels
Da wir beinahe schon zu spät für die letzte Bahn waren, entschieden wir uns die letzten Abseiler auszulassen und im Eilschritt zur Bahn zu hasten.  An der Station Alpiglen angekommen waren wir superglücklich einen leeren, warmen Warteraum vorzufinden und unser geforenes Gehrin sponn Tagträume von einer Übernachtung hier, denn auf einem Trip wie diesen ist ein warmer Raum in dem deine Sachen trocknen ein echter Luxus… Schön zu wissen, dass es nicht viel braucht, um glücklich zu sein!

Da es sich um einen sehr schweren, höchst gefährlichen Canyon handelt werden hier keine Topos etc. veröffentlicht. Weitere Informationen zum Canyon findet man auch in Pascal van Duins Blog

 

 

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