Wintercanyoning in Slowenien: Repov Kot

Dieser Artikel wurde geschrieben von Ziga Humar und ist auch in der englischen Originalversion verfügbar

 

Der Canyon Repov Kot befindet  sich unterhalb des Zeleniške Špice Grat in Slowenien. Wörtlich übersetzt würde dies in etwa so viel bedeuten wie „grüne Gipfel“. Und ich muss zugeben, das ich wirklich noch ziemlich grün hinter den Ohren war, als ich diesen majestätischen Canyon zum ersten mal während eines Kletterlehrgangs sah… Ich fand den Namen damals ziemlich witzig!  Deswegen, aber auch wegen meiner Unbefangenheit entschied ich eines Tages wieder zu diesem Canyon zurückzukehren.  Ich erinnere mich, dass ich mich mit meinem Kletterlehrer darüber sprach und er ziemlich begeistert von diesem Plan war: „Macht es aber nicht zu beliebt bei den Leuten – wir wollen hier Eisklettern!“

Die Zeit verging und aus Monaten wurden Jahre. Ich reiste um die Welt und sah einige der schönsten Canyons, aber ich behielt immer das kleine Schmuckstück in meiner Heimat im Hinterkopf, das ich eines Tages besuchen wollte…

Der Blick auf Zeleniške Špice und den Canyon Repov Kot

Vor einigen Wochen dann erhielt ich einen Anruf von meinem guten Freund Jakob Pavli: Er wollte diesen Canyon machen und sich dafür meine Akku-Bohrmaschine leihen! Glücklicherweise für mich hatte er die falschen Bohrhaken für den Bohrer, den ich ihm überließ… Wir beschlossen deshalb, die Aktion auf das folgende Wochenende zu verschieben, wenn ich mit ihm kommen konnte.

Die Planjava-Wand rechts des Canyons – hier gibt es eine Route, die nach meinem Großvater benannt wurde: Humar-Škarja

Normalerweise fällt es mir oft schwer morgens aufzustehen, aber niemals, wenn ich für eine Canyoningtour aufstehen soll, so auch dieses Mal.

Wir parkten unser Auto am Parkplatz in Jermanica, von wo es etwa eine Stunde zum Canyon sind. Da wir nciht damit rechneten den Canyon ausgerüstet vorzufinden war unsere Ausrüstung nicht nur schwer, sondern auch sehr groß und die Wanderer, die uns auf dem Weg begegneten wunderten sich sehr! Immer wieder mussten wir Pausen machen, um wieder zu Atem zu kommen und bei einer dieser Pausen hätte ich fast die gesamte Ausrüstung verloren:  Ich stellte den Rucksack kurz auf dem Weg ab, um meinen Rücken durchzustrecken und musste zusehen, wie alles die Schlucht hinabrollte.  Glücklicherweise blieb der Rucksack an einem Baum hängen, aber es dauerte eine Weile, bis ich ihn wieder hatte und mich überzeugen konnte, dass alles noch funktionierte. Insbesondere hatte ich natürlich Angst um die Bohrmaschine, aber German-Engineering erträgt auch solche Vorfälle. Zuverlässigkeit: gutes Stichwort! Ich wurde daran erinnert, dass ich meine Gedanken zusammenhalten sollte und mich mehr fokussieren.

Als würde man auf Wasser laufen.

Nach diesem kleinen Missgeschick ging es voller Erwartungen weiter zum Einstieg. Es war eine gute Entscheidung gewesen, die Neoprenanzüge zu Hause zu lassen, denn der Canyon war bereits so komplett zugefroren, dass kaum eine Chance bestand nass zu werden – dachten wir zumindest.

Die Landschaft von aufeinanderfolgenden gefrorenen Pools war fantastisch und obwohl der Canyon sehr hoch liegt, gibt es viele Latschenkiefern die zum abseilen verwendet werden können.

Oberer Bereich

 

Happy canyoneer

Im oberen Bereich des Canyons kamen wir sehr schnell voran, indem wir alte Seilstücke per Sackstich oder um die Zwergkiefern ud Latschen schlungen. Ein Versuch mit Makramée-Technik führte dagegen dazu, dass wir diese Harakiri-Technik wohl nie wieder verwenden werden.

Der obere Bereich bestach mit tiefgrfrorenen leuchtend grünen Pools, über die wir problemlos laufen konnten. Umgeben von dieser großartigen Natur fühlten wir uns fast übermenschlich. Der höchste Abseiler ist etwa 40 meter hoch und mit Bohrhaken ausgestattet, da dieser Wasserfall auch viele Eiskletterer anzieht. An weiteren Punkten, wo wir keine geeigneten Bäume fanden setzten wir rostfreie Bohrhaken.

 

Der höchste Abseiler

 

Jakob beim abseilen

 

Sonnenlicht im unteren Bereich

Die Zeit verflog und bevor wir es übehaupt mitbekamen warne wir im unteren Bereich des Canyons. Jetzt wurde das Eis mit jedem Meter den wir weiter abstiegen dünner und dünner und es war nur noch eine Frage der Zeit bevor einer von uns im kalten Wasser landetet. Natürlich traf es mich… Nach einer Abseilstelle mit einem großen Pool, den ich durch einen Pendelgang am Seil umgehen wollte – aber ohne Grip auf dem vereisten Fels ging es ganz anders aus und ich seilte direkt ins kalte Wasser.

Wir lachten über meine Ungeschicklichkeit und von diesem Moment an durfte ich jedes Mal vorausgehen und das Eis testen.

Nur nicht einbrechen

Insgesamt benötigten wir vier Stunden für den Canyon und wir waren buchstäblihc überwältigt von seiner Schönheit. Vielleicht schafft er es auf keine Hitliste der Canyons aber es ist ein toller Canyon nach einer längeren Regenzeit – oder als Eiscanyon.

Eisstruktur

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